Angelehnt an diesen Artikel von CDM stelle ich auch diese Frage: what are your top albums of 2009? Und die vielleicht interessantere Frage versuchen wir auch zu beantworten: And how do you stay organized and decide on picks?
Marek:

altar of plagues – white tomb
Was mir an diesem Black Metal / Ambient Album besonders gefällt, ist das Konzept dahinter. Es geht um den Untergang unseres Planeten, jedoch nicht auf die fantastisch-apokalyptische Weise. Um die Philosophie des Albums zu erläutern, hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit der Band:
The theme of the album explores the ongoing global transformation, both physical and metaphysical. Whilst I feel there has always been a global undertone of foreboding collapse, I think now more so than ever everything is truly on the brink. As a civilisation we have completely lost all real connections with the Earth, instead altering the planet for personal gain. Ancient and historical cultural sites are be paved over so as another corporate entity may make our lives even more convenient, and now look at where it has gotten us. It is complete insanity that people allow such things to continue, that people do not see the value in cultural identity and preserving heritage. I would describe the earth now as a „White Tomb“. Everything is draining of character and colour, it won’t be long before everything is the same; people, cities, and landscapes. White.
Der Sound entwickelt sich von Lied zu Lied, wird ständig härter bis alles kollabiert und das Ambiente wieder in den Vordergrund geriet. Ebenfalls sind viele Post-Rock-Elemente und harte doomige Riffs zu hören.
austere – to lay like cold ashes
Unglaublich melancholisch, doch zugleich baut es einen irgendwie auf. Man könnte sagen, dass hier die Hoffnungslosigkeit, die in diesem Genre so stark vertreten wird, fehlt. Man hört Gekreische, verzerrte Gitarren, Doublebass, eigentlich ist alles sehr qualhaft gestimmt, bis auf denharmonischen Keyboardsound, der hier in verschiedenen Formen stark vertreten wird. Dazu kommt noch der saubere Gesang, der das ganze Werk noch mehr variiert. Für mich das Album des Jahres. Der einzige Makel ist das 20 Minuten lange, etwas sinnlose Outro. Hehe.
sui caedere – thèrene
Französisch ist meiner Meinung nach die perfekte Sprache für Black Metal, da sie der Musik Melodie und Fluss verleiht, an denen es meistens mangelt. Dieses Album, mit Monarque an den Vocals, ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Der Sound ist sehr frisch und innovativ. Das Album ist übrigens ein Denkmal an den frankophonen Poeten Émile Nelligan aus Quebec. Quebecois Metal Noire dans sa meilleure forme.
nachtreich – sturmgang
Sehr atmosphärisch und angenehm für die Ohren.
fever ray – fever ray
Tanzt ein bisschen aus der Reihe, nicht? Tja. Von diesem Album bin ich immer noch geschockt.. es ist für mich etwas ganz neues. Vielleicht habe ich wieder den Drang mich nach Neuem umzuschauen, wieder weiterzugehen. Wäre ja Zeit.
Kosti:
Die Frage nach dem ‘Warum’ ist im Grunde eine sehr schwierige Frage. Wie nehme ich Musik auf? Welche Faktoren sind für die Beurteilung von Musik wichtig? Nach welchen Kriterien mache ich eine Liste?
Ich habe vier Grundkriterien gewählt: Musik, Cover, Coolness, Spielbarkeit.
Ich werde kurz auf diese Prämissen eingehen. Wie man sieht gehe ich da sehr systematisch vor – man kann mir jetzt vorwerfen, dass Musik an sich sehr emotional ist und eine Systematik nicht passt, dem ich auch grundsätzlich zustimmen würde, aber eine Kategorisierung nimmt jeder vor, sonst würde man schwer von seinem Geschmack reden. Das einige Aspekte ausgelassen werden ist klar, es ist jetzt auch nur eine grobe Unterteilung, und bei dem möchte ich es ja auch belassen, sonst würde das ganze zu kompliziert werden. Einige Aspekte die ich auslasse, um es zumindest zu nennen, wäre zum Beispiel die ‘Erwartung’, die ‘Häufigkeit’ des tatsächlich Agespielten oder ‘Tanzbarkeit’.
Was also meine ich mit ‘Musik’?
Ich denke mir, man kann Musik auf zwei verschiedene Weisen aufnehmen. Auf einer sehr analytischen Ebene, also wie die Struktur, die Länge, die Komplexität und die Harmonik aufgebaut ist, oder auf einer emotionalen Ebene, also den Selbstbezug, Atmosphäre, Groove, Flow etc. pp. Dass sich beim Hören diese beiden Ebenen vermischen ist im Grunde klar. Es sind ja auch nur ideale Ebenen. Beide Punkte haben ihre Daseinsberechtigung und sollten ungefähr gleichmäßig gewichtet werden.
Was meine ich mit ‘Cover’?
Es ist klar, dass die Musik die größte Rolle in der Beurteilung von Musik spielt, aber ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die Verpackung – oder eine bildliche Repräsentation der Musik.
Was meine ich mit ‘Coolness’?
Wenn wir beim Cover von einer ‘Repräsentation von Musik’ sprechen, gibt es auch hintergründig eine Repräsentation der Band/des Musikers selbst. Dieser Aspekt geht schon sehr in die soziale Ebene. Wer ist verantwortlich für die Musik? Wer steckt dahinter? Was sind seine Ansichten?
Was meine ich mit ‘Spielbarkeit’?
In der Coolness geht es nur um die sozialen Aspekte die der Musiker selbst vertritt; mit der Spielbarkeit meine ich nur den ’sozialen’ Faktor. Es ist ein Unterschied ob ich Musik nur für mich alleine hören möchte oder sie mit anderen Leuten anhören kann. In der Szene wird oft der Begriff der ‘Clubtauglichkeit’ verwendet, ungefähr das hier meine ich auch – wobei mir nicht der Club im Sinne ist, sondern die allgemeine Tauglichkeit von Musik mit anderen Menschen. Ist es Musik die man mit jedem hören kann? Wie komme ich mir selbst vor, wenn ich es anderen Leuten abspiele?
In meiner Auswahl, die ich im Laufe dieses Jahres getroffen habe, ist auch nur noch ein kleiner Teil übrig geblieben. Würde ich jedem Album diese Analyse unterziehen, wäre ich im Grunde jeden Tag damit beschäftigt nur Musik zu konsumieren. Natürlich ist das nicht so (naja) und persönliche Vorlieben haben schon sehr viel ‘eingeschränkt’. Ich hab hier also schon einen kleinen Teil: um genau zu sein sind es 20 Alben. Ich werde nicht alle nennen, sonst würde ich mich zu sehr in die Frage vertiefen, wieso der Rest nicht in die Top 5 gekommen ist und das möchte ich mir ersparen. Eine kurze Nennung am Schluss hab ich trotzdem gemacht.
Top 5:
Clutch – Strange Cousins from the West
Die rocken einfach und das neue Album ist einfach wieder ein Album, dass man sich ohne bedenken hat kaufen können, ohne wirklich enttäuscht zu werden. Der Rest ergibt sich aus dem Konzert Review. Es ist aber bestimmt nicht das einfallsreichste oder gar ein besonderes Album in irgendeiner Hinsicht. Im Grunde erfüllt es einfach alle die von mir genannten Bedingungen und das reicht auch schon.
Them Crooked Vultures – Them Crooked Vultures
Hab ich schon vor einigen Tagen vorgestellt. Es ist wie gesagt, nicht das beste, aber es ist eine gute Produktion. Ich bin bei dieser Wahl zwischen Carusella und TCV gestanden, überzeugt hat mich dann einfach die Musik auf seiner analytischen Ebene – es ist besser strukturiert und das Gitarrenspiel von Josh Homme ist einfach besser. An sich sind wieder alle Komponenten gegeben, von der Coolness bis zur Spielbarkeit.
Fink – Sort of Revolution
Hab ich auch schon vorgestellt. Hier stand ich auch zwischen einer Wahl. Letztendlich hat mich aber das Interview der anderen Band ein bisschen ‘verstimmt’, weshalb die ‘Coolness’ von Fink eindeutig höher ist. Die Musik ist relativ ruhig, akustisch, aber dann hört man Elemente ganz verschiedener Genres heraus – was ich dann natürlich sehr gut finde. ‘Sort of Revolution’ hat einen Einfluss aus dem Dub/Regga; andere Songs wie ‘Q & A’ und ‘Walking in The Sun’ haben einen R’n'B Einfluss. Doch trotz dieser Vielfalt an Sachen die man da so heraushört, ist er seinen Wurzeln treu geblieben – und das gefällt mir auch irgendwie sehr gut. Die Spielbarkeit ist relativ hoch. Bis jetzt hat es fast allen Leuten irgendwie gefallen.
Tosca – No Hassle
Ich stand hier auch zwischen einer Wahl. Wie man sieht habe ich viele Alben auf Grund subjektiver Ähnlichkeit unter eine Wahl gestellt. In diesem Fall war die andere Band auch aus Wien und auch sehr groovy unterwegs. Letztendlich hab ich mich für Tosca entschieden, weil das Album einfach viel entspannter ist. Es ist nicht einfach nur ‘entspannter’, es ist quasi pure Entspannung. Soundteppiche, leichte Melodien, der Bass und die Drums eher im Hintergrund,.. Ambient der zum ‘chillen’ anregt. Langweilig? Wer das behauptet, der sollte mal genauer hinhören – man entdeckt immer neues und wenn man sich danach nicht besser fühlt, dann weiß ich auch nicht mehr. Die restlichen Kriterien sind sowieso erfüllt, also was die Musiker, die Spielbarkeit oder das Cover angeht. Und was der Dorfmeister angreift, ist sowieso meistens dann Gold wert.
The Whitest Boy Alive – Rules
Gut. Ich habe hier noch 16 Alben neben mir und ich weiß nicht recht was ich nehmen soll. Ich hab mir wieder die Kriterien angeschaut und da passten mir noch immer 7 Alben die den Platz belegen könnten. Letztendlich hab ich dieses Album genommen, einfach weil es wirklich Spaß macht es von Anfang bis Ende anzuhören. Die Musik ist ‘House’, nur wird hier traditionell mit normalen Instrumenten Musik gemacht. Die Strukturen bzw. der Aufbau der Songs ist aber sehr ‘housy’. Also ist es quasi eine ‘Houseband’. Besonders cool finde ich auch, die Vorstellung, dass sie die Musik direkt vom Strand aus noch mit Badehose und all dem Klischee in Mexiko aufgenommen haben. Dieses Feeling kommt dann besonders in ‘Keep a Secret’ hervor.
Das wären sie also. Nicht leicht sie herauszupicken. Ich möchte aber trotzdem noch einige Namen nennen, die es leider nicht in diese Liste geschafft haben, aber die man durchaus auch in diese Liste aufnehmen hätte können: A Storm of Light, Carusella, Eels, FaltyDL, Kubota (!!!), Kylesa, Mount Fuji Doomjazz Corporation und TKDE, Stimming, uvm.
Zu guter Letzt möchte ich aber noch die Enttäuschungen kurz nennen: I Monster mit ‘A Dense Swarm Of Ancient Stars’ ist einfach eine Enttäuschung gewesen und die neue Air ‘Love 2′ auch – obwohl mir die beiden Bands zusagen, war es einfach deprimierend diese Alben sich anhören zu müssen. Schade. Aber so ist es nun mal – nicht alles was von einer guten Gruppe veröffentlicht wird, muss prinzipiell gut sein.
Das Jahr 2009 also kein Jahr, welches wirklich große Namen hervorgebracht hat, zumindest wird sich das erst später wirklich zeigen, aber durchaus ein gutes Jahr mit seinen Höhen und Tiefen. Ich freue mich aber schon wirklich auf 2010, mit der neuen Massive Attack z.B., da wird sicherlich wieder einiges auf uns zukommen.
M./K.
